Seit die FIA Präsidentschaft in der Hand von Jean Todt ist, befindet sich die Rallye-WM im Umbruch. Der Franzose möchte längere Rallyes, doch trotzdem sollte jede Veranstaltung auch den eigenen Charakter bekommen. Zur Zeit ist Europa noch das Herzstück der Meisterschaft und so bleibt es auch 2012, denn 13 Rallyes finden in Europa statt. Das wird sich aber in Zukunft ändern, denn die Rallye Serie will sich globalisieren, nach dem Vorbild der Formel 1. In naher Zukunft könnten die Rallye Fahrer auch in Russland und in Brasilien Gas geben. "Es ist nur logisch, dass sich eine WM möglichst global präsentiert", gab Simon Long, der Geschäftsführer von Promoter North One Sport, zu Protokoll, und fügte hinzu: "Im Herbst wollen wir der Rallye-WM-Kommission der FIA unsere Idee für 2013 unterbreiten. Nach gründlicher Prüfung könnte die Kommission den Kalendervorschlag dann dem FIA-Weltrat vorlegen und dieser ihn noch am Jahresende verabschieden."
Europäische Veranstalter unter Druck, neue Märkte öffnen sich
Das setzt die europäischen Veranstalter unter Druck und es wurden bereits Stimmen laut, dass Frankreich und Deutschland abwechselnd gefahren werden sollten, weil die Veranstaltungen geographisch nicht weit voneinander entfernt sind. In Sardinien war in diesem Jahr eigentlich die letzte Vorstellung, doch im letzten Moment rutschte die Veranstaltung noch in den Kalender. Auch die beiden skandinavischen Veranstalter, Schweden und Norwegen, werden in Zukunft ihre Kooperation vertiefen. Vor allem Großbritannien ist allerdings ein großer Wackelkandidat, denn Long sagte: "Sollte von der Insel kein tragendes Konzept für die Zukunft kommen, wird die Luft dünn - Tradition hin oder her". Die Veranstalter blicken bereits auf 2013, doch es fehlt noch die Entscheidung um den neuen Austragungsort und die Finanzierung, denn Europa bliebe auch bei sechs oder sieben Rallyes das Herz der Rallye-WM und die Zukunft geht Richtung Erschließung neuer Märkte. Abu Dhabi war bereits für 2012 vorgesehen, flog aber aus dem Kalender und es ist auch nicht sehr wahrscheinlich, dass in Zukunft dort gefahren wird. Dafür zeichnen sich Läufe in Russland und Brasilien ab 2013 ab. "Ich war schon mehrmals dort und sehe gute Möglichkeiten", meint Long fest entschlossen. 2013 kommt auch Volkswagen in die WM zurück und für sie ist die Rallye in Südamerika eine sehr willkommene Gelegenheit, denn V
W engagiert sich dort stark.
Long plant mit einer Delegaton von North One Sport auch eine Russland Reise: "Ein interessanter Markt mit guter Struktur. Zudem gibt es dort Veranstalter, die schon etwas Erfahrung haben. Das könnte einer der ersten neuen Standorte werden, aber auch der mittlere Osten bleibt ein wichtiges Thema. Klar ist auch, dass jeder WM-Lauf zuerst eine Kandidatur-Rallye veranstalten muss. Deshalb denke ich, dass Afrika, China, Indien oder Nordamerika wohl erst etwas später mit von der Partie sein werden."

WRC und IRC 2013 unter einem Hut?
Die Bemühungen, die Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) und die Intercontinental-Rallye-Challenge (IRC) zusammenzubringen, nehmen langsam Formen an - inzwischen nennt man die Saison 2013 sogar schon die gemeinsam ausgetragene Weltmeisterschaft als ein konkretes Ziel. Der Grund für die Bestrebungen liegt auf der Hand, wie Jarmo Mahonen, Präsident der WRC-Kommission zu Protokoll gab: "Was wir brauchen, ist eine sehr starke Meisterschaft im zweiten Glied. Die WRC zielt ganz klar auf professionelle Fahrer und Hersteller sowie semiprofessionelle Teams ab. Für Privatiers hingegen ist die WRC nicht geeignet".
Und genau dieses Problem wollen sie mit der gemeinsamen Austragung bekämpfen: "Es ist kein Geheimnis, dass wir mit den IRC-Bossen sprechen. Wir haben ihnen bereits einen Vorschlag unterbreitet." Zwar ist die Antwort seitens der IRC noch nicht vorhanden, doch der Präsident der WRC-Kommission ist und bleibt optimistisch: "Es gibt in nahezu jeder Sportart ein pyramidenförmiges Aufstiegssystem - nur im Rallyesport nicht.
Privatiers haben es in der WRC schwer und IRC hat attraktive TV-Verbindungen
Wir müssen den Privatiers eine starke Plattform bieten, die es ihnen ermöglicht, den Aufstieg in den Profisport zu schaffen. Das ist unser Ziel für die Saison 2013." Die IRC-Bosse haben stets betont, dass sie ihre Serie nicht als eine Konkurrenzserie zu der WRC sehen, sondern als eine teilnehmerfreundliche Meisterschaft mit internationalem Charakter, welche direkt unterhalb der Weltspitze angesiedelt ist. Mahonen macht aber deutlich, dass es nicht das Ziel der WRC-Kommission sei, die WRC-Regularien auf die IRC zu übertragen, doch er wollte auch nicht preisgeben, wie er sich den möglichen Zusammenschluss im Detail vorstellt. Zwar existiert unterhalb der WRC derzeit noch die Europäische Rallye-Meisterschaft, die ebenso unter dem Banner der FIA läuft, doch sie kann, im Gegensatz zu der IRC, nicht so gut punkten, da sie in puncto TV-Präsenz den engen Verbindungen IRC-Eurosport nichts entgegen setzen kann. Genau das ist der Grund, warum die IRC für die WRC-Kommission zusätzlich attraktiv ist.
Tim Wagelöhner