Beim ersten Rennen in Valencia überschlugen sich die Ereignisse, denn schon die erste Runde brachte Krach zwischen den Teamkollegen bei Chevrolet: Rob Huff wurde von Alain Menu angeschoben und fiel auf Platz 11 zurück. Doch für ihn gab es trotz der tollen Aufholjagd nicht mehr, als den 5. Platz. Alles gut und schön, wenn sein Teamkollege und der schärfste Konkurrent um den WM-Titel, Yvan Muller, nicht gewonnen hätte. Der rang nach wenigen Minuten Gabriele Tarquini nieder, übernahm so die Führung und nach 14 Rennrunden konnte er das Rennen auch gewinnen. Damit ist Muller auch der Führende in der Meisterschaftstabelle – zum ersten Mal nach der Saison 2010. Hinter dem amtierenden Weltmeister und neuem WM-Spitzenreiter konnte Menu Platz 2 ins Ziel bringen, vor Tom Coronel (ROAL) und Kristian Poulsen (Engstler), für den es den Sieg bei den Privatfahrern bedeutete.

Hitze, blanke Nerven und WM-Kampf
Schon vor dem Start erkannte man, dass ein heißes Rennen bevorsteht, denn ein Gridgirl bei der Pole-Position kollabierte wegen der hohen Temperaturen. Die junge Dame wurde sofort erstversorgt, doch es war so warm, dass auch die Piloten Probleme hatten und den ersten Startversuch nicht überstanden, denn es herrschte einfach keine Ordnung. Nach einer weiteren Einführungsrunde durfte das Feld endlich los, wobei Gabriele Tarquini von Platz 3 einen hervorragenden Start hatte und in der Kurve 1 den ersten Rang übernahm. Muller und Huff, die aus der ersten Reihe starteten, wollten sich aber beide dafür revanchieren und sich hinter Tarquini behaupten. Huffs Attacke kam direkt nach der ersten Kurve, doch Muller war vorsichtig und blieb unbeeindruckt. Im Infield kam es dann zu einer heftigen Kettenreaktion, denn Tiago Monteiro (Sunred) hatte Menu leicht am Heck berührt, der dann Huff in einen Dreher zwang. Für den WM-Spitzenreiter ein fatales Ereignis – er musste ins Gras und fiel sehr weit zurück und hatte mit der Entscheidung um den Sieg nichts mehr zu sagen. Es tanzte alles nach der Pfeife von Yvan Muller.
Muller besiegt Tarquini
Der zweimalige Weltmeister Muller fuhr dem ehemaligen Teamkollegen um den Circuit Ricardo Tormo hinterher und kann immer näher, bis er schließlich in Runde drei mit einem klasse Manöver vorbei zog. Tarquini war somit geschlagen, blieb aber vor Menu. Erst im achten Umlauf konnte der Schweizer ebenso vorbei fahren, bevor die Rennleitung den Crash mit Huff bestrafen wollte. Gut gesagt – wollte – denn die Durchfahrts-Strafe gegen Menu wurde ein wenig später wieder zurückgenommen, denn es geriet ein anderer Fahrer ins Visier der FIA – Tiago Monteiro, der auch auf der Strecke oft im Bild war. Der Portugiese konnte hinter Muller, Tarquini und Coronel den Platz 4 halten und war immer wieder vielen Angriffen ausgesetzt. Eine kurze Zeit lang war Monteiro sogar auf Rang drei, nachdem Tarquini immer deutlicher in die Bredouille geriet – er hatte sich wahrscheinlich beim Überholvorgang von Menu den Schaden an seinem SR Leon 1,6T zugezogen und musste den Kampf um die Top 10 aufgeben. Davon profitierten die Piloten im Mittelfeld, die in den Schlussrunden einen harten Kampf um die Positionen hinter der Spitze abgeliefert hatten. Dabei hatte Muller, unbeeindruckt vom Geschehen hinter sich, ein souveränes Rennen abgeliefert und auch Menu war ungefährdet. Tom Coronel konnte sich Monteiro erfolgreich schnappen, doch Monteiro kam immer noch nicht zur Ruhe: Poulsen, Villa und Michelisz saßen ihm im Nacken und zogen auch an ihm vorbei. Der WTCC-Routinier musste sich deswegen nur mit einem durchschnittlichen 8. Platz zufrieden geben.
Huffs hoffnungsloser Kampf
Huff arbeitete sich immer wieder durchs Feld nach vorne, doch er konnte nicht mit den Siebenmeilen-Stiefeln vorankommen, und musste seine Schadensbegrenzung auf Rang 5 beenden. Die WM-Führung war damit aber klar futsch und deswegen auch die Enttäuschung groß. Hinter Poulsen, Huff, Villa, Michelisz und Monteiro konnten sich noch Dahlgren und D'Aste über Punkte freuen. Für Michel Nykjaer (Sunred) hatte es nicht mehr gereicht und er ging knapp leer aus. Auch für die anderen deutschsprachigen Piloten war Spanien kein Trostpflaster, denn Franz Engstler (Engstler) stellte sein Auto nach neun Runden vorzeitig mit technischen Problemen ab, Fredy Barth (SEAT-Swiss) war nach der Kollision mit Mehdi Bennani (Proteam) weit zurückgefallen. Auch für den WTCC-Debütanten David Sigacev (KK) war das Rennen kein gutes Omen, denn er kam nicht durch und verzeichnete im Rennen 1 Null Punkte. Die beiden Gesamtwertungen erscheinen somit in neuem Licht, denn Muller übernahm aktuell mit neun Punkten vor Huff die Führung und ist der neue Gejagte in der WTCC. Dazu kommt noch die schmerzhafte Tatsache, dass der Franzose in der Aufstellung zum zweiten Rennen vor seinem Teamkollegen Huff steht. Bei den Privatiers hat sich Poulsen mit dem Klassensieg im Titelrennen zurückgemeldet, denn er steht vor dem 2. Rennen wieder auf Pole.
Tim Wagelöhner