Die Europasaison der WTCC fand ihr Ende in Rennen 2 – aufregend wie immer, mit dem frühzeitigen Titel bei den Herstellern für Chevrolet. Es wäre fast ein herausragender Erfolg für die BMW Mannschaft geworden, doch die Fahrer konnten sich auf der Strecke nicht einig werden. Chevrolet konnte daraus Profit schlagen und sich dank des Dreifach-Erfolges von Yvan Muller, Rob Huff und Alain Menu den Hersteller-Titel sichern. So früh war noch keine Mannschaft bisher Weltmeister. Nur wenige Runden vor Schluss sah es so aus, als ob ein Sensationserfolg für Tom Coronel (ROAL) und Javier Villa (Proteam) bevor steht, doch die beiden BMW Piloten waren durch die ungewohnte Position überfordert und gerieten aneinander. Villa machte von hinten Druck und machte Coronel auf sich aufmerksam, bevor er sich neben den ROAL-Piloten setzte. Coronel wollte die Position nicht übergeben und es knallte: Coronel erwischte Villa hinten rechts am Heck, Villas Heimrennen war damit im Kies beendet und Coronel konnte sich wieder fangen und sich ins Feld einordnen. Auch für Michelisz kam ein Tiefschlag – er kämpfte um alles, doch Huff bremste sich in der Zielkurve neben den Ungarn, der kontern wollte, sich aber dabei so verschätzt hatte, dass er am Kurvenausgang mit dem heftigen Übersteuern einen Dreher nicht verhindern konnte. So verlor er den 2. Platz, aber auch den Klassensieg bei den Privatiers und verschenkte den Dreifach-Sieg an Chevrolet – und somit den WM Titel.

Engstlers Glück im Unglück
Auch bei dem Rennen ging es beim Start alles andere als glatt, denn der Polesetter Franz Engstler (Engstler) kam nur schlecht voran und hatte schon auf den ersten Metern die Chance vergeigt, um nach dem Sieg greifen zu können, doch er hatte Glück, denn Michel Nykjaer (Sunred) hatte die Situation sofort erkannt und konnte dem Deutschen geschickt ausweichen. Nykjaer hatte bei all dem Getümmel noch einen Frühstart. Am Start hatten die drei BMW Fahrer Coronel, Villa und Michelisz einen großen Sieg erlebt, denn sie gingen genau in dieser Reihenfolge aus der ersten Runde heraus. Nykjaer konnte sich auf Position 4 einreihen, musste aber in den nächsten Runden erst Muller und danach auch Huff vorbei lassen. Auch im breiten Mittelfeld gab es heftige Kämpfe, was sich in vielen spannenden und aufregenden Rennszenen manifestierte.
Chevrolet holt sich den Sieg
Während Engstler von ganz hinten in ein paar Runden eine Weltklasse Aufholjagd demonstrierte, ging bei den Markenkollegen ganz vorne anscheinend alles schief. Villa und Coronel kollidierten miteinander und die Chevrolet-Rivalen nahmen dieses aufgetischte Geschenk allzu gerne an. Der Fehler von Michelisz machte sogar einen totalen Triumph für Chevrolet perfekt. Doch damit nicht genug – die turbulente letzte Runde mischte das Feld nochmal ordentlich auf. Coronel konnte noch Gabriele Tarquini (Lukoil-Sunred) überholen und als 4. ins Ziel kommen, Kristian Poulsen (Engstler) holte sich den zweiten Klassensieg bei den Privatfahrern in Folge und überholte damit Michelisz, der sich nach seinem Fehler nur noch als Siebter ins Ziel rettete. Lokalmatador Pepe Oriola (Sunred) wurde beim Heimevent Achter.
Erneutes Pech für Barth in Valencia
Wieder mal einen Pechmoment erlebte Fredy Barth. Der Schweizer lieferte sich - wie schon so oft in diesem Jahr – einen mutigen Kampf um die Positionen mit mehreren Fahrern, doch er brachte seinen SR Leon 1,6T nicht ohne Kampfspuren über die Linie. Deswegen verlor er viele Plätze und wurde am Ende nur als 18. gewertet. Das Gesprächsthema Nummer eins war nach dem Rennen aber klipp und klar nur eine Geschichte – der Titelgewinn von Chevrolet, denn so früh wurde der WM-Titel der Hersteller noch nie eingefahren. Zum ersten Mal seit 2005 stehen die Hersteller-Weltmeister schon bei dem letzten Europarennen fest, was deutlich für eine Dominanz von Chevrolet spricht. Auch in der Fahrerwertung ist alles klar, dass sich der Kampf um den Titel zwischen den 3 Chevrolet-Fahrern entscheidet. Vor der Asientournee der WTCC sind es nämlich nur noch Muller, Huff und Menu, die Chancen auf den Titel haben. Das bedeutet, dass Chevrolet im Jahr 2011 alles gewinnt, was es in der WTCC zu gewinnen gibt. Was vor der Asientournee neu ist, ist die Tatsache, dass Muller als Spitzenreiter nach Asien reist, was für ihn die erste Führung seit dem Jahr 2010, wo er in Macao den Titel gewann, bedeutet. Huff folgt ihm auf Platz 2 und Menu rangiert weiterhin auf Position drei, liegt aber schon so weit zurück, dass es so aussieht, als ob es nur eine formale Sache zwischen Muller und Huff sein wird, die irgendwo weit von Europa die Entscheidung findet.
Tim Wagelöhner